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Wahlfahrt 09 in Halle Salle – “Leerstand als Chance”

Wahlfahrt09, das “mobile Journal-
istenbüro auf Deutschlandreise”, ist ein Projekt junger Fotografen und Journalisten, die im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 zwanzig Städte der Republik bereisen, um Wahlkampfberichterstattung “abseits großer Parteien, Wahlslogans und Dienstwagenskandälchen” zu machen.
 
Das finden wir sehr unterstützenswert und freuen uns, dass uns die Wahlfahrer in den kommenden Tagen und Wochen exklusive Eindrücke ihrer Reise hier im Blog zur Verfügung stellen werden. Sie werden uns erzählen, wo sie gerade sind, was Menschen an diesem Ort bewegt und uns gleichzeitig zeigen, was die “Kleider der Wahl” sind, die die Menschen tragen, denen sie auf ihrer Reise begegnen. (Wenn sie nicht gerade eines der Wahlfahrt09-Shirts übergestülpt bekommen haben :-).)
 
Den Anfang macht heute Lu-Yen Roloff. Ihr Gastbeitrag kommt aus Halle:
 
Die Wahlfahrt09 in Halle an der Saale. Halle ist eine schrumpfende Stadt. Lebten zu Wendezeiten noch über 300.000 Bewohner in Halle, sind es heute nur noch 232.000 Menschen. In den Neubauvierteln wird rückgebaut oder abgerissen, selbst schöne Altbauten trifft es. Denn die Stadt Halle hat kein Geld für aufwändige Sanierungen, viele Häuser sind denkmalgeschützt.

Bei unserem ersten Rundgang durch ein stark von Leerstand betroffenem Altbauviertel sind wir auf das Projekt “Wächterhäuser” vom Verein Haushalten gestoßen. Der 2004 in Leipzig gegründete Verein kümmert sich um von Verfall oder Abriss bedrohte Gebäude. Sie können von Vereinen und Initiativen zum Nebenkostenpreis genutzt werden und sollen damit für den Erhalt der Bausubstanz und die Wiederbelebung des Hauses und der Nachbarschaft sorgen. Das Wächterhaus in Halle nutzen Studenten und Künstler die leer stehenden Gebäude, um darin Ausstellungen zu organisieren oder andere kulturelle und politische Veranstaltungen. So auch die “Studentenwerkstatt Triftpunkt e.V.” Sie sind seit zwei Jahren “Wächter“ in einem Eckhaus aus der Gründerzeit im so genannten Burg-Viertel, wenige Minuten von der Kunsthochschule Burg Giebichtenstein entfernt. Vom Verein Haushalten haben sie eine Etage in dem Wächterhaus übernommen und in Eigeninitiative renoviert.

Johannes Peisker (26) aus Thüringen und Magdalena Wolf (28) aus Hessen studieren Politik. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern von der Studentenwerkstatt im Wächterhaus. “Aus/Wahl” heißt die Veranstaltungsreihe, die die beiden mitorganisiert haben. Die Studenten veranstalteten Lesungen, Hörspiele und Diskussionen rund um das Thema Wahl und Wählen.

Als politisch interessierter Mensch und Politikstudent bietet es sich an, das Superwahljahr aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, zum Beispiel über rechte Wahlkampfrhetorik,

sagt Johannes Peisker.

Die Studenten im Wächterhaus sehen den Leerstand auch als Chance, um Freiräume in der Stadt für kreative und gemeinschaftliche Projekte zu nutzen. Abgesehen davon hat das auch individuelle Vorteile, sagt Johannes Preisker.

Als Student lebt man hier sehr gut. Freunde von mir aus Köln wohnen in einem kleinen Hinterhofloch. Ich habe eine Wohngemeinschaft in einer 140 Quadratmeter großen Altbauwohnung, für die wir Kaltmiete nur 420 Euro zahlen.

Er kann sich gut vorstellen, nach dem Studium in Halle zu bleiben.

P.S. Die nächste Station des Wahlfahrt-Teams ist Erding in Bayern - dem vermeintlich von “Laptop und Lederhose” geprägtem Bundesland.

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